Wenn Sie Marketingverantwortliche:r sind, wissen Sie, wie es ist, unter Druck zu stehen. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie sich durch das ganze restliche Marktgetöse hindurchsetzen und Kampagnen liefern, mit denen Sie Ihr Zielpublikum wirklich erreichen. Demografische Daten bieten zwar eine solide Grundlage, aber die Realität in den meisten Unternehmen ist: Ihre Kund:innen sind verstreut.
Hier kommt die geografische Segmentierung ins Spiel. Mithilfe standortbasierter Erkenntnisse können Sie Ihre ABM-Personalisierung auf das nächste Level heben und hyperzielgerichtete Strategien entwickeln, die Kundinnen und Kunden in bestimmten Märkten ansprechen – sei es ein anderes Land, ein anderer Bundesstaat oder sogar eine andere Stadt.
In diesem Artikel erläutere ich das Potenzial der geografischen Segmentierung, stelle Ihnen wichtige Variablen vor, die Sie beim Einsatz von Marktsegmentierungs-Software berücksichtigen sollten, und teile meine besten Praxistipps, damit Sie typische Herausforderungen meistern und Ihr standortbasiertes Marketing verbessern können.
Was ist geografische Segmentierung?
Geografische Segmentierung bezeichnet den Prozess, einen Markt in klar abgetrennte Gruppen basierend auf deren physischem Standort zu unterteilen, sei es nach Land, Region, Bundesstaat, Stadt oder sogar Stadtviertel. Indem Sie die besonderen Eigenschaften, Verhaltensweisen und Herausforderungen von Kund:innen in bestimmten geografischen Gebieten verstehen, können Sie hochgradig zielgerichtete Kampagnen entwickeln, die stärker bei ihnen ankommen.
Geografische Segmentierung ist insbesondere in Account-Based-Marketing (ABM)-Strategien wertvoll, bei denen der Fokus auf der Pflege tiefgehender, personalisierter Beziehungen mit besonders attraktiven Zielkonten liegt. Durch diese Kundensegmentierung und eine Analyse der geografischen Standorte wichtiger Entscheider:innen in Ihren Ziel-Unternehmen können Sie Ihre Botschaften, Kanäle und Produktmerkmale optimal auf die jeweiligen lokalen Zielgruppen abstimmen.

Segmentierung vs. Targeting
Es ist wichtig, den Unterschied zwischen geografischer Segmentierung und Targeting zu verstehen, da beide Konzepte Hand in Hand gehen.
Im Grunde liefert Ihnen die geografische Segmentierung die Erkenntnisse, die Sie benötigen, um Ihre wertvollsten Zielmärkte zu identifizieren, während das Targeting bestimmt, welche dieser Standorte Sie priorisieren und wie Sie Kund:innen in diesen Regionen ansprechen. Werden beide Strategien kombiniert eingesetzt, steigert dies die Effizienz und Effektivität Ihrer standortbasierten Marketingmaßnahmen.

Variablen der geografischen Segmentierung
Um effektive standortbasierte Marketingbotschaften an Ihre Target-Account-Liste zu senden, ist das Erfassen der relevanten geografischen Daten entscheidend. Hier sind einige zentrale Variablen, die Sie bei der Segmentierung Ihrer Kund:innen beachten sollten:
Standort
Die grundlegendste geografische Variable ist der physische Standort Ihrer Kund:innen. Hierzu zählen Länder, bestimmte Regionen, Bundesstaaten, Städte und Stadtviertel. Die Analyse von Kundendaten auf diesen unterschiedlichen Ebenen hilft, ortsabhängige Muster und Erkenntnisse zu gewinnen. Auch Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Gebieten sollten einbezogen werden.
Zeitzone
Verschiedene Gebiete liegen in unterschiedlichen Zeitzonen, was das Konsumverhalten, den Medienkonsum und die Kommunikationsvorlieben stark beeinflussen kann. Dies ist besonders für große, international agierende Unternehmen wichtig, die Kund:innen über mehrere Zeitzonen hinweg betreuen.
Bevölkerungsdichte
Die Größe und Dichte der Bevölkerung in einem Gebiet kann Faktoren wie Infrastruktur, Lebenshaltungskosten und Zugang zu Technologie beeinflussen – all das prägt wiederum die unterschiedlichen Bedürfnisse und Kaufgewohnheiten Ihrer Kund:innen.
Kulturelle Präferenzen
Regionale Kulturen, Traditionen und Werte können das Kaufverhalten, die Kommunikationsstile und die Markenwahrnehmung erheblich prägen. Diese kulturellen Unterschiede zu kennen, ist essenziell für lokal angepasste Marketingstrategien.
Sprache
Sprachbarrieren können die Produktnutzung und den Kundensupport erschweren. Damit Sie Inhalte und Unterstützung in der richtigen Sprache anbieten können, sollten Sie die jeweils vorherrschenden Sprachen in Ihren Zielmärkten identifizieren.
Vorteile der geografischen Segmentierung
Die Nutzung geografischer Daten als Teil Ihrer gesamten Segmentierungsstrategie kann Ihnen helfen, viele übergeordnete Ziele zu erreichen. Die drei wichtigsten sind diese:
- Sie ermöglicht Ihnen eine hochgradig lokalisierte Kampagnenoptimierung.
Indem Sie die einzigartigen Merkmale von Kunden in verschiedenen Regionen verstehen, können Sie Ihre Botschaften, Angebote, Kanäle und sogar Produktfunktionen gezielt an die jeweilige Zielgruppe anpassen. Diese Personalisierungsebene kann das Kundenerlebnis erheblich verbessern und die ABM-Interaktion deutlich steigern. - Sie eröffnet den Zugang zu neuen, vielversprechenden Märkten.
Detaillierte ortsbasierte Einblicke können bislang ungenutzte geografische Segmente aufdecken, die mit den Zielen Ihres Kleinunternehmens übereinstimmen und es Ihnen ermöglichen, Ihren Einfluss strategisch auszubauen, anstatt sich auf Vermutungen zu verlassen. Mit einem klaren Verständnis Ihrer wertvollsten regionalen Märkte können Sie zudem Ressourcen wie Marketingbudget, Personal und Vertriebsgebiete effizienter einsetzen, um den Gesamtertrag zu maximieren. - Sie liefert quantifizierbare Datenpunkte zur Unterstützung einer Reihe strategischer Entscheidungen. Von der Produktentwicklung bis zur Kanaloptimierung sorgt dieser datengetriebene Marketing-Ansatz dafür, dass Ihre Initiativen auf einem tiefen Verständnis Ihrer Zielkunden und deren regionsspezifischem Verhalten und Vorlieben beruhen.
Herausforderungen der geografischen Segmentierung
Obwohl die Vorteile der geografischen Segmentierung vielfältig sind, gibt es auch einige Herausforderungen und Einschränkungen, die zu beachten sind. Hier sind einige Hürden:
- Beschaffung genauer, aktueller geografischer Daten über potenzielle Kunden.
Die Abhängigkeit von Datenquellen Dritter oder von selbst gemeldeten Informationen der Nutzer birgt potenzielle Ungenauigkeiten, wodurch es schwierig wird, wirklich präzise ortsbezogene Profile zu erstellen. Zudem mangelt es Ihnen möglicherweise an ausreichender geografischer Datenabdeckung, insbesondere in Nischen- oder neuen Märkten. - Der sich ständig wandelnde geografische Kontext.
Faktoren wie Migrationsmuster, Stadtentwicklung und wirtschaftlicher Wandel formen regionale Märkte laufend neu. Um ortsbasierte Erkenntnisse aktuell und relevant zu halten, sind kontinuierliche Datensammlung und -analyse erforderlich, was ressourcenintensiv sein kann. - Das komplexe Geflecht von Datenschutzvorschriften wie der DSGVO und CCPA.
Sie müssen sicherstellen, dass Sie Kundendaten zum Standort vollständig im Einklang mit diesen Vorschriften erheben, speichern und nutzen, andernfalls drohen hohe Strafen. - Zusammenarbeit zwischen Teams.
Ob Marketing, Vertrieb, Produktentwicklung oder Kundenerfolg: Die Überwindung organisatorischer Silos, um ortsbasierte Erkenntnisse zu zentralisieren und lokale Maßnahmen zu koordinieren, kann eine erhebliche betriebliche Herausforderung darstellen. Glücklicherweise gibt es großartige Tools, um Marketing und Vertrieb zusammenarbeiten zu lassen.
Beispiele für geografische Segmentierung
Schauen wir uns einige Praxisbeispiele an, die die Wirkung effektiver geografischer Segmentierung zeigen – denn daraus können wir viele ABM-Best-Practices ableiten.
1. Slack adressiert australische Unternehmen

2018 startete Slack, die Produktivitätsplattform, erstmals eine Out-of-Home-Kampagne in Australien, nachdem ein starker Anstieg der Nachfrage australischer Unternehmen nach Kollaborationstools festgestellt worden war. Das Unternehmen investierte mehrere Jahre darin, den australischen Markt kennenzulernen und geografische Daten zu sammeln, die halfen, Anzeigen gezielt in Sydney, Melbourne und Brisbane zu schalten.
2. DoorDash richtet sich an lokale Restaurantbesucher

DoorDash, der Lieferdienst für Essen, nutzt geografische Daten und Segmentierung, um bestimmten Zielgruppen und Kunden anhand ihres Standorts konkrete Restaurants zu empfehlen. Der Algorithmus der App ermittelt anhand des aktuellen Standorts eines Kunden, welche Restaurants in der Nähe im Feed angezeigt werden, sodass der Kunde durch die Bequemlichkeit zum Kauf animiert wird. Darüber hinaus hilft das Verständnis der lokalen Trends und Geschmäcker in bestimmten Märkten der Marke, bessere Einblicke in aktuelle Kundenwünsche zu erhalten.
3. Nike adressiert Städter
Nike, das Schuhunternehmen, setzt geografische Segmentierung in ihrer Werbung ebenfalls sehr geschickt ein und spricht dabei oft eine bestimmte Stadt an. In dem oben stehenden Spot „Nothing Beats a Londoner“ zeigt Nike den echten Londoner, hebt nicht nur Wahrzeichen hervor, sondern zeigt das allgemeine Leben in Londons Stadtteilen.
Tipps zum Sammeln geografischer Daten
Das Sammeln von genauen und umfassenden geografischen Daten ist entscheidend für den Aufbau effektiver standortbasierter Segmentierungsstrategien. Hier sind einige zentrale Methoden, mit denen Sie diese wertvollen Informationen erfassen können:
Geografische Informationssysteme
Geografische Informationssysteme (GIS) sind leistungsstarke Werkzeuge für Kartierung und räumliche Analysen, die wertvolle Einblicke in die geografische Verteilung Ihrer Kundenbasis liefern können. Durch die Integration von GIS-Software wie ArcGIS oder QGIS in Ihr Marketing-Toolkit können Sie Kundenstandorte visualisieren, regionale Cluster identifizieren und sogar demografische, psychografische und Verhaltensdaten für eine tiefere Segmentierungsanalyse überlagern.
GPS und Standortanalytik
Die Nutzung von Kundendaten aus GPS-, WLAN- und Bluetooth-Signalen kann ebenfalls eine wertvolle Quelle geografischer Erkenntnisse darstellen. Tools wie Google Analytics, Facebook Ads Manager und Marketing-Automatisierungssoftware bieten detaillierte Standortverfolgungsfunktionen, mit denen sich erkennen lässt, wo Ihre Kunden tatsächlich auf Ihre Produkte und Dienstleistungen zugreifen. Dies kann alles beeinflussen – von regionalen Content-Strategien bis hin zur gezielten lokalen Werbung.
Geokodierung
Geokodierung ist der Prozess, physische Adressen in geografische Koordinaten (Breiten- und Längengrad) umzuwandeln. Durch das Hinzufügen von Geokoordinaten zu Ihren Kundendaten können Sie deren Standorte präziser bestimmen und erweiterte räumliche Analysen durchführen. Viele Drittanbieter und API-Dienste bieten Geokodierungslösungen zur Anreicherung Ihrer bestehenden Kundendaten an.
Weitere Marktsegmentierungstechniken
Auch wenn geografische Segmentierung wertvolle Einblicke liefert, ist es wichtig zu erkennen, dass sie nur ein Teil des gesamten Segmentierungspuzzles des Zielpublikums ist. Es gibt verschiedene andere Arten von Marktsegmentierung, die Marketer nutzen können, um ein ganzheitlicheres Bild ihrer Zielgruppe zu erhalten:
Demografische Segmentierung
Demografische Segmentierung meint die Aufteilung der Kunden nach beobachtbaren Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Beruf und Bildungsniveau. Diese Daten helfen, detaillierte Kundenprofile zu erstellen und zeigen auf, wie sich Kaufverhalten und Präferenzen verschiedener demografischer Gruppen unterscheiden können.
Psychografische Segmentierung
Psychografische Segmentierung geht tiefer auf innere Eigenschaften ein, die Einstellungen, Werte, Interessen und Lebensstil eines Kunden prägen. Dazu zählen Persönlichkeit, Hobbys, soziale Schicht und kulturelle Einflüsse. Wer die psychologischen Motive hinter Kaufentscheidungen versteht, kann Botschaften gestalten, die emotional ansprechen.
Verhaltensorientierte Segmentierung
Verhaltensorientierte Segmentierung analysiert die Handlungen und Nutzungsmuster der Kunden, um diese anhand ihres digitalen Verhaltens zu gruppieren. Dazu zählen Website-Interaktionen, Content-Konsum, Feature-Nutzung und Abonnementmodelle. Die Erkennung solcher Verhaltensmuster ermöglicht eine personalisierte Nutzererfahrung, optimiert Produktentwicklungen und erleichtert gezielte Cross- oder Upselling-Strategien.
Mehr gezielte Einblicke erhalten
Geografische Segmentierung bietet zahlreiche Vorteile, bringt jedoch auch Herausforderungen wie Datenqualität, wandelnde Marktbedingungen und den Ausgleich zwischen Personalisierung und Skalierbarkeit mit sich – all das gilt es bedacht zu steuern.
Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse:
- Das Verständnis einzigartiger Merkmale, Vorlieben und Verhaltensweisen von Kunden in unterschiedlichen Regionen ermöglicht es, hochgradig personalisierte und wirkungsvolle Kampagnen zu entwickeln, die Interaktion und Konvertierung fördern.
- Geografische Segmentierung ermöglicht eine gezieltere Ausrichtung Ihrer Marketingmaßnahmen auf die spezifischen Bedürfnisse und Dynamiken lokaler Märkte – von der Ansprache bis zur Produktgestaltung.
- Die Analyse zentraler geografischer Variablen wie Standort, Zeitzone, Bevölkerungsdichte, kulturelle Normen und Sprache eröffnet einen großen Erkenntnisschatz zur Verfeinerung Ihrer Segmentierungsstrategie.
Wenn Sie Ihr standortbasiertes Marketing auf die nächste Stufe bringen möchten, abonnieren Sie unbedingt den The CMO Newsletter.
