Ein erfolgreicher CMO übernimmt viele Rollen – er leitet die Marketingabteilung eines Unternehmens, entwickelt Marketingstrategien und verfolgt Erfolge wie Misserfolge. Wie kann ein CMO eine besonders erfolgreiche Karriere gestalten? Welche Tools, Strategien und Ansätze kann ein CMO nutzen, um erfolgreich zu sein? Im Rahmen dieser Reihe hatten wir das Vergnügen, Marta DeBellis zu interviewen.
Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen! Zum Einstieg: Was war ein entscheidender Moment, der Sie auf den Weg zur CMO gebracht hat?
Früher in meiner Karriere hätte ich auf die Frage nach meinem Traumjob geantwortet: Das Marketing in einer Region zu leiten. Ich hatte eine Leidenschaft für Reisen und das Kennenlernen anderer Kulturen und es war mir wichtig, auch Einsätze vor Ort in EMEA und APAC zu erhalten. Als ich bei Adobe anfing, teilte ich dem CMO mein Interesse an einer weiteren Auslandsentsendung mit, und schon bald ergab sich die Gelegenheit, das gesamte Marketing für Adobe in der APAC-Region zu übernehmen.
Diese Rolle war für meinen Weg zur CMO entscheidend, denn ich war verantwortlich für alle Aspekte des Marketings in dieser Region und eng mit dem Regionalpräsidenten abgestimmt, um die finanziellen Kennzahlen des Unternehmens voranzutreiben. Diese umfassende Führungserfahrung im Marketing und die enge Abstimmung mit hochrangigen unternehmerischen Überlegungen waren wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rolle als CMO.
Können Sie die interessanteste Geschichte erzählen, die Ihnen seit der Übernahme Ihrer Führungsrolle im Unternehmen passiert ist?
Einer der für mich neuen Aspekte in dieser Position ist es, eine Unternehmenskultur rund um Wissenschaft und Technologie zu vereinen. Meine Karriere vor Dotmatics war geprägt durch Technologieunternehmen. Dotmatics verbindet wissenschaftliche Daten mit Data Science, das heißt, es werden Technologie und Analysen eingesetzt, um Wissenschaftler bei lebensrettenden Entdeckungen zu unterstützen – vom Kampf gegen Krebs bis hin zu Lösungen bei Nahrungsmittelknappheit.
Vierzig Prozent unserer Mitarbeitenden sind promovierte Wissenschaftler, und 65 % unseres 800-köpfigen Teams arbeiten in Forschung und Entwicklung. Die Kultur in wissenschaftlichen Berufsfeldern (fokussiert auf Entdeckung und Wissen) unterscheidet sich sehr von den hyperdynamischen SaaS-Unternehmen (agil und leistungsorientiert). Unser Fokus liegt darauf, das Beste aus beiden Welten zu vereinen – „gemeinsam besser“ –, um unsere Mission zu erfüllen: wissenschaftliche Innovation zu beschleunigen, um die Welt gesünder, sauberer und sicherer zu machen.
Keiner von uns schafft den Weg zum Erfolg ganz allein. Gibt es eine bestimmte Person, der Sie besonders dankbar sind?
Mein allererster Chef nach dem Studium hat mir einige Dinge beigebracht, die mich durch meine gesamte Karriere begleitet haben. Das Erste betraf das Geben und Einholen von Feedback gerade auch von den eigenen Mitarbeitenden – letzteres ist besonders wichtig.
Er lehrte mich außerdem, das Team für eine größere Mission zu begeistern, sie mit aktuellen Themen in der Welt zu verknüpfen und zu erläutern, warum das sowohl für das Unternehmen als auch für die Kunden von Bedeutung ist. Das ist bei Dotmatics einfach, wo wir die Wissenschaftler unterstützen, die neue personalisierte und präventive Therapieansätze für Patienten entwickeln, Algen zur Herstellung von Kleidung und Kunststoffen einsetzen oder sogar daran arbeiten, dem Klimawandel entgegenzuwirken.
Können Sie mit uns Ihr Lieblingszitat zu einer Lebensweisheit teilen? Welche Bedeutung hat dieses Zitat für Ihr Leben?
„Carpe diem“ und „Das Leben ist ein Abenteuer oder es ist nichts“ waren zwei Leitsprüche, die mich mein ganzes Leben lang begleitet haben. Ich habe mich ständig motiviert, neue, herausfordernde Dinge auszuprobieren, die außerhalb meiner Komfortzone liegen. Zum Beispiel bin ich für die Aufgabe bei Adobe mit meiner fünfköpfigen Familie nach Asien gezogen und lebte dort zwei Jahre. Während meiner Zeit dort habe ich sogar einen großen beruflichen Wechsel gewagt und mich in ein anderes Geschäftsfeld eingearbeitet, indem ich ins Produktteam wechselte und eine Rolle im Bereich Customer Success übernahm.
Wie erwähnt, waren vor allem die jüngsten Wechsel zwischen sehr unterschiedlichen Branchen – von Bildungstechnologie zu HRtech hin zur Life Sciences – große Abenteuer, die mich auf neue und spannende Weise gefordert haben!
Können Sie drei Stärken, Fertigkeiten oder Eigenschaften nennen, die Ihnen geholfen haben, an diesen Punkt Ihrer Karriere zu gelangen? Wie können andere diese Bereiche aktiv in sich entwickeln?
1. Wachstumsorientiertes Denken – immer Neues lernen wollen.
2. Netzwerkerin sein.
3. Das Bestreben, das Unternehmen vom Top-Level, von den finanziellen Zielen her zu verstehen, um sicherzustellen, mit meiner Arbeit nachhaltig zum Ergebnis des Unternehmens beizutragen.
Welche Fähigkeiten versuchen Sie derzeit noch weiterzuentwickeln?
Größere Veränderungen umzusetzen erfordert oft ein sensibles Gleichgewicht. Manchmal kann es passieren, dass ich die Dinge zu schnell und zu stark vorantreibe. Ich arbeite daran, Change Management zu verbessern und effektiv zu sein, mein Team auf dem Weg mitzunehmen. Das gilt nicht nur für mein Team, sondern auch im Umgang mit anderen bereichsübergreifenden Stakeholdern, die vielleicht noch drei Schritte hinter uns sind.
Gerade bei einem Unternehmen wie Dotmatics, das stets die komplexen Bedürfnisse von Forschern und Wissenschaftlern in den Mittelpunkt stellen muss, ist das besonders kritisch. Wir bemühen uns sehr, die Wissenschaft in den Vordergrund jeder Entscheidung zu stellen, sodass unsere Produkte und Prozesse stets von dem gesteuert werden, was den Lebenszyklus der Arzneimittelentwicklung am besten unterstützt.
Angenommen, Sie haben diesen Karrierestand erreicht – was sind Ihrer Meinung nach die fünf wichtigsten Dinge, die man braucht, um eine sehr erfolgreiche CMO zu sein?
- Sie müssen an das glauben, woran Sie arbeiten. Für mich war die Mission bei der Auswahl meiner letzten Positionen immer sehr wichtig. Bei Dotmatics ist unsere Mission, die Wissenschaft zu beschleunigen, um die Welt sicherer, gesünder und sauberer zu machen. Unsere Kunden arbeiten vor allem in der F&E-Phase der Arzneimittelentwicklung und je mehr wir ihnen helfen können, Medikamente schneller und effizienter auf den Markt zu bringen, desto mehr können sie weltweit Menschen helfen.
- Handeln Sie datenbasiert und fokussieren Sie sich auf den ROI. Dotmatics wurde durch die Übernahme erstklassiger wissenschaftlicher Software-Tools aufgebaut. Für viele dieser Tools haben wir ein PLG-(product-led growth)-Modell. Die Grundlage unseres Geschäfts ist es, die Daten zu besitzen, um zu verstehen, wer unsere Tools in Tests nutzt, und den Übergang zum Kauf zu verfolgen. Wir bieten auch eine Unternehmensplattform und da die Märkte sich auf Wert, Profitabilität und Cashflow konzentrieren, reichen reine Impact-Kennzahlen nicht aus, um als CMO erfolgreich zu sein. Man muss die Gesamtkosten der Marketingabteilung einschließlich Programm-, Personal-, Technologiekosten sowie Reise- und Spesenaufwendungen betrachten und diese jeweils auf den Return on Investment sowie auf Pipeline und Umsatz beziehen. Attribution und Media-Mix-Modellierung sind ebenfalls wichtig für die strategische Budgetplanung.
- Pflegen Sie ein belastbares Netzwerk, um die besten Talente für Ihr Team zu gewinnen. Ich bin dankbar, in den letzten Jahren mit großartigen Marketern und wunderbaren Menschen zusammengearbeitet zu haben. Ich gebe mir Mühe, regelmäßig Kontakt zu halten, um zu erfahren, woran sie arbeiten und wie es beruflich läuft. Es war mir möglich, einige dieser Talente in jedes meiner letzten drei Unternehmen zu holen.
- Werden Sie kundenerlebnisorientiert. Als Marketer sind wir manchmal von der Kundschaft eine Ebene entfernt, besonders im virtuellen Raum. Hier bei Dotmatics prüft mein Team das Messaging und die Erfahrung für Wissenschaftler ebenso wie für F&E- oder Laborleiter. Ich ermutige meine Marketer, sich mit jemandem aus dem Vertriebsteam zusammenzutun, um zu Verkaufsgesprächen eingeladen zu werden oder auf Branchenevents mit Kunden zu sprechen. Es ist auch wichtig, die Customer- bzw. Buyer-Journey visuell und in der Ansprache abzubilden und digitale Kontaktpunkte für Kundenfeedback zu schaffen.
- Werden Sie Chief Market Officer. Während meiner Zeit als Leiterin Marketing bei Adobe für den asiatisch-pazifischen Raum musste ich mich auf 15 verschiedene Länder konzentrieren. Um die lokalen Marktchancen und die aktuelle Wahrnehmung unserer Marke und Produktangebote wirklich zu verstehen, habe ich Zeit mit unseren Landes- und Vertriebsleitern in jeder Region verbracht. Teil meiner Rolle war es, die Geschäftsgrundlage für Investitionen zu schaffen, um Wachstum zu fördern und die Prioritäten in den verschiedenen Märkten abzuwägen.
Gibt es unterschätzte Fähigkeiten oder Eigenschaften, die Sie anderen ans Herz legen, nicht zu übersehen?
Der wichtigste Punkt, der mir einfällt, ist der Umgang mit Unsicherheit. Das ist enorm wichtig, um Führungskräfte und Manager zu entwickeln, die eigenständig erkennen, was zu tun ist, ohne dass ihnen alles vorgegeben wird. Oft sind die Signale aus dem Markt, von Kunden und dem internen Management nicht im Einklang. Um diese Signale zu sortieren und die beste Vorgehensweise festzulegen, baut eine gute Marketingleitung einen Rahmen auf, der auf Zielen, Zielgruppen und gewünschten Ergebnissen basiert.
Mit welchen Hauptproblemen kämpfen andere CMOs Ihrer Erfahrung nach häufig? Was kann man dagegen tun?
CMOs sind manchmal außen vor, wenn es um den Vorstand geht, da sie oft nicht als so entscheidend für den Gesamtgeschäftsplan angesehen werden wie zum Beispiel der CFO oder General Counsel. Es muss noch viel getan werden, um den enormen Einfluss einer starken, unternehmens-, markt- und kundenorientierten CMO auf das Geschäft klar herauszustellen. Marketing musste schon immer eine enge Verbindung zum Vertrieb haben, aber zunehmend sind auch der Chief Product Officer und der Chief Financial Officer entscheidende strategische Partner. Daher gilt es, Beziehungen in die gesamte Geschäftsführung hinein zu pflegen – insbesondere zu CPO, CRO und CFO.
Die CMO muss zudem den Markt verstehen und mit dem Produktteam daran arbeiten, sich auf Bereiche zu fokussieren, in denen es ein differenziertes Wertangebot und einen ausreichenden Wachstumsmarkt gibt. Die CMO hat die Aufgabe, sowohl das Unternehmen als auch die Produkte klar und einfach für verschiedenste Zielgruppen zu positionieren. Sie muss verantwortlich für den Umsatz sein (gemeinsam mit dem Vertrieb), um Pipeline und Wachstum sicherzustellen. Und schließlich sollte sie Zeit mit Kunden verbringen, um deren Bedürfnisse zu verstehen und so Content und Programme zu entwickeln, die wirklich ankommen.
Was ist Ihrer Meinung nach der wirkungsvollste Weg, als CMO aufzufallen und einen Unterschied zu machen?
Seien Sie sich ganz klar darüber, wie Ihre Arbeit die Unternehmensziele auf Firmenebene unterstützt, insbesondere in Bezug auf Finanzen, Bindung und Kundenzufriedenheit.
Wenn Sie eine Bewegung inspirieren könnten, die vielen Menschen großen Nutzen bringt, welche wäre das?
Ich setze mich leidenschaftlich für Mentoring und Coaching für Frauen und Minderheiten in technischen Bereichen ein; das ist etwas, das ich in den Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, mit aufgebaut habe. Ich würde gerne ein breiteres Gemeinschaftsnetzwerk für organische Vermittlungsmöglichkeiten sehen. Ich stelle mir eine Bewegung vor, in der erfahrenere Führungskräfte ihre Stärken und Erfahrungen angeben und mit Newcomern aus der Branche in Verbindung gebracht werden, basierend auf den gewünschten Kompetenzen.
Abschließend: Gibt es eine Person auf der Welt, mit der Sie gerne ein privates Frühstück oder Mittagessen hätten – und warum?
Ich freue mich immer darauf, von erfolgreichen weiblichen CEOs in der Tech-Branche zu hören oder zu lesen, und ich würde sie gerne dafür gewinnen, mehr CMOs auf dem Weg zur CEO-Rolle zu unterstützen. Melanie Perkins, CEO von Canva, oder Rachel Carlson, CEO von Guild, kommen mir dabei in den Sinn.
