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Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Zwei Unternehmen, beide aus dem SaaS-Bereich, bieten dieselben Produkte mit beeindruckenden Funktionen an und konkurrieren um die Gunst ihrer Zielkunden. Beide Unternehmen verfügen über eine starke Online-Präsenz und Markenbekanntheit, doch ein entscheidender Unterschied trennt die beiden voneinander.

Unternehmen A steht zu seinen Schwächen, erkennt sie offen an und hebt sie manchmal sogar im Branding und Content Marketing hervor, während Unternehmen B einen eher traditionellen Weg geht und ein Bild der Perfektion vermittelt. Überraschenderweise ist Unternehmen A erfolgreich und gewinnt eine treue Kundenbasis, während Unternehmen B Schwierigkeiten hat, nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.

Was ist das Geheimnis? Es ist, dass Unternehmen A seine Schwächen nutzt und akzeptiert.

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Als Social-Strategieberaterin mit über einem Jahrzehnt Erfahrung habe ich aus erster Hand miterlebt, wie sich die Marketinglandschaft verändert hat – besonders in Bezug auf Kundenerwartungen. In diesem digitalen Zeitalter, in dem Informationen extrem zugänglich und im Überfluss vorhanden sind (danke ChatGPT!), erwarten Verbraucher nicht nur guten Kundenservice, sondern auch ein qualitativ hochwertiges Erlebnis. Und worauf basiert dieses Erlebnis? Auf Authentizität.

Aus Sicht der sozialen Medien haben soziale Plattformen den Nutzern einen beispiellosen Informationszugang ermöglicht, wodurch es noch leichter ist, die Integrität einer Marke zu überprüfen und zu hinterfragen. Jeder Versuch, Krisen oder Probleme zu kaschieren, kann schnell aufgedeckt und weit verbreitet werden. Daher ist heute Transparenz und Authentizität – in Wort und Tat – unerlässlich.  

Man darf auch nicht vergessen, dass Konsumenten heutzutage unzählige Optionen haben. Sie stehen traditionellen oder sogar Account-Based-Marketing-Taktiken, die ein makelloses Bild vermitteln, zunehmend skeptisch gegenüber. Sie sehnen sich nach Authentizität und Transparenz von den Unternehmen, die sie unterstützen wollen. Aber wie wird man authentisch und transparent? Der Blick sollte auf die eigenen Schwächen gerichtet werden.

Im heutigen schnelllebigen SaaS-Sektor ist es wichtiger denn je, sich von der Masse abzuheben und eine vertrauenswürdige Markenpersönlichkeit aufzubauen. In diesem Artikel gehen wir auf ein Phänomen ein, das als Erwartungsbranding bezeichnet wird, und wie die richtigen Erwartungen durch das Eingestehen eigener Schwächen zur authentischen Markenwahrnehmung und zur Kundentreue führen können. Richtig umgesetzt, besitzen Sie den Schlüssel zu echten Verbindungen mit Ihrer Zielgruppe, bei denen Vertrauen und Nachvollziehbarkeit die Hauptrolle spielen.

Der Anstieg der Verbrauchererwartungen

Heutige Verbraucher verlangen mehr als nur Produkte und Dienstleistungen; sie wünschen sich authentische Erlebnisse, Transparenz und personalisierte Interaktionen von den Marken, mit denen sie interagieren. Laut Googles Consumer Insights erwarten über 60 % der Verbraucher, dass Marken ihnen genau dann die benötigten Informationen bieten, wenn sie sie brauchen – doch weniger als die Hälfte hat das Gefühl, dass Marken diesem Anspruch gerecht werden.

Zudem zeigt eine Umfrage von Salesforce, dass 75 % der Konsumenten erwarten, dass Unternehmen ihre Bedürfnisse und Erwartungen verstehen. Das unterstreicht die Notwendigkeit für personalisierte Erlebnisse und individuell zugeschnittene Lösungen, die wirklich zu jedem Zielkunden passen.

Darüber hinaus ergab eine aktuelle Studie von Deloitte, dass 81 % der Verbraucher Transparenz für einen entscheidenden Faktor im Entscheidungsprozess bei der Markenwahl halten. Konsumenten bevorzugen Marken, die offen und ehrlich über ihre Stärken und Schwächen sprechen.

Um dem gerecht zu werden, müssen Unternehmen an der Erwartungshaltung durch authentisches Branding arbeiten. Das bedeutet eine ehrliche und öffentliche Anerkennung der Stärken und Schwächen des eigenen Produkts oder der Dienstleistung, ob zum Guten oder Schlechten. Wenn z. B. ein Unternehmen für Projektmanagement-Software offen zugibt, dass seine Plattform beim Hinzufügen neuer Funktionen gelegentlich Fehler aufweisen kann, mag das kurzfristig für den Kunden ärgerlich sein – langfristig jedoch lernt er Ehrlichkeit und Offenheit zu schätzen.

Dies führt meist zu mehr Markentreue und positiver Mundpropaganda, denn letztlich gilt: Keine Marke ist perfekt – also kann man genauso gut zu seinen Fehlern stehen.

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Das Ende der Perfektion

Heutzutage kann das von Unternehmen angestrebte „perfekte" Markenimage nach hinten losgehen. Durch den Aufstieg der sozialen Medien und nutzergenerierter Inhalte ist es für Konsumenten einfacher denn je, hinter die sorgsam gestalteten Marketingkampagnen und Botschaften zu blicken. 

Verbraucher suchen heute aktiv nach echten Erfahrungen von echten Menschen, um ihre Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Deshalb lesen wir keine Bewertungen auf der Unternehmens-Website (wo diese sorgfältig ausgewählt werden könnten), sondern auf unabhängigen Bewertungsplattformen wie Trustpilot. Wir streben nach echten Verbindungen mit den Marken, mit denen wir interagieren, und schätzen Ehrlichkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit. 

Manche erinnern sich vielleicht an Theranos, ein einst vielversprechendes Biotech-Startup, gegründet von Elizabeth Holmes. Das Unternehmen behauptete, eine revolutionäre Bluttest-Technologie entwickelt zu haben, die eine Vielzahl von Krankheiten erkennen könne, und präsentierte sich mit Selbstbewusstsein und Perfektion. Während Theranos als Innovationsmotor der Medizinbranche galt, deckte ein investigativer Bericht des Wall Street Journals die Realität auf: Die Technologie wies erhebliche Mängel in Bezug auf Genauigkeit und Zuverlässigkeit auf. Holmes hielt dennoch an der Maske der Perfektion fest, obwohl die Fehler längst offensichtlich waren – was letztlich zum Untergang führte. Das Unternehmen sah sich regulatorischen Untersuchungen, zahlreichen Klagen und schließlich der Auflösung gegenüber.

Markenauthentizität hat sich im Laufe der Jahre zu einem dominanten Trend entwickelt und spielt eine zentrale Rolle beim Erwartungs-Branding. Heutzutage möchten Verbraucher eine Reihe von Dingen wissen, zum Beispiel: Wer steckt hinter der Marke? Welche Werte vertritt das Unternehmen? Welche echten Bemühungen unternimmt ein Unternehmen, um einen positiven Einfluss auf die Welt zu nehmen? Um im heutigen digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein, müssen Marken mehr tun, als nur qualitativ hochwertige Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. 

Das Geheimrezept liegt in Ihren Schwächen

Deshalb könnte das Geheimnis des Geschäftserfolgs gerade in Ihren Schwächen liegen. Genau die Dinge, die als Schwächen angesehen werden, könnten tatsächlich die Erfolgsfaktoren sein.

Indem Unternehmen ihre Schwächen annehmen, zeigen sie ihre Ehrlichkeit und bauen Vertrauen bei ihrer Zielgruppe auf. Besonders im SaaS-Sektor, wo Produkte komplex und vielschichtig sein können, ist es enorm schwierig, die Illusion von Perfektion aufrechtzuerhalten. Statt also Schwächen zu verstecken, sollten Marken diese nutzen, um das Unternehmen menschlicher wirken zu lassen. Wird das Produkt authentisch dargestellt, entsteht eine emotionale Verbindung zum Publikum, die ein Gefühl von Kameradschaft und Gemeinschaft schafft – etwas, das traditionelle Marketingmethoden kaum erreichen.

Authentizität und Vertrauen gehen Hand in Hand. Wenn eine Marke offen ihre Fehler und Grenzen zugibt, sind Konsumenten eher bereit, auch an deren Stärken und Fähigkeiten zu glauben. Dadurch entsteht eine Authentizitäts-Vertrauens-Schleife, die Kundenloyalität und -befürwortung fördert. Eine Möglichkeit hierfür sind Kundenstimmen, in denen Erfahrungsberichte vorgestellt werden, die anfangs Schwierigkeiten thematisieren, diese aber durch eine herausragende Reaktion des Unternehmens aufgreifen und lösen. Ziel ist es, negative Erlebnisse als Chancen für Wachstum und Verbesserung zu nutzen. Das rettet nicht nur bestehende Kundenbeziehungen, sondern kann auch neue Kund:innen gewinnen, die Transparenz und Integrität schätzen.

Beispiele für Erwartungs-Branding

Ein gutes Beispiel für eine Marke, die durch Authentizität und das Eingestehen von Fehlern die Erwartungen managt, ist Buffer, ein bekanntes Tool für Social Media Management. Immer wenn es auf ihrer Plattform technische Probleme oder Ausfallzeiten gibt, greifen sie nicht zur Vertuschung, sondern wählen einen offenen und ehrlichen Ansatz: Das Problem wird öffentlich gemacht, inklusive detaillierter Updates zur Situation und zu den Maßnahmen, die zur Behebung ergriffen werden.

Sie schließen sogar Entschuldigungen an ihre Kunden ein, zeigen Mitgefühl und Verständnis für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Diese transparente Reaktion kommt bei den Nutzer:innen gut an, weil sie die Ehrlichkeit schätzen und die Schwächen von Buffer als Ausdruck eines echten Engagements für Qualitätsverbesserung und Service verstehen. 

Ein weiteres hervorragendes Beispiel für eine Marke, die durch Transparenz Kund:innenvertrauen aufbaut, ist Zendesk, eine Plattform für Kundensupport. Als Unternehmen im SaaS-Bereich wissen sie, dass Nutzererlebnis oberste Priorität hat. Sie entschieden sich deshalb, Schwächen direkt anzugehen und in Chancen zu verwandeln. Eine der Herausforderungen für Zendesk lag in der Komplexität der Plattform, was gelegentlich zu Frustration bei Nutzer:innen führte.

Statt das Problem zu ignorieren, hat Zendesk offen auf das Nutzerfeedback reagiert und mithilfe von Kundenumfragen eine eingehende Analyse des Nutzungserlebnisses durchgeführt, um wertvolle Hinweise auf Verbesserungsbedarf zu erhalten. 

Auf diesem Weg ermöglichten sie eine direkte Kommunikation mit ihren Nutzer:innen und legten offen, welche Schritte sie unternehmen würden, um die Benutzeroberfläche zu vereinfachen und das Nutzererlebnis spürbar zu verbessern. Während Zendesk im Verlauf kontinuierlich Änderungen basierend auf dem Feedback umsetzte, hielt das Unternehmen seine Kunden mit regelmäßigen Informationen auf dem Laufenden. Bei jedem neuen Update, bei Verbesserungen und bei neuen Features wurde offen zu eigenen Schwächen gestanden und aktiv an deren Beseitigung gearbeitet – so wurden Schwächen letztlich zu Stärken gewandelt. 

Das Eingestehen von Schwächen bedeutet jedoch kein Sich-Zurücklehnen. Sehen Sie es als Chance für Wachstum und Innovation. Unternehmen, die zu ihren Unvollkommenheiten stehen, investieren meist stärker in deren Behebung – und das spüren die Konsumenten. Es gilt, eine Balance zu finden zwischen der Darstellung der eigenen Stärken und Transparenz bezüglich verbesserungswürdiger Bereiche. So kann man seine Marke klar von Wettbewerbern abheben und einen nachhaltigen Eindruck im Kopf der Zielgruppe hinterlassen.

Um Schwächen effektiv zu nutzen, sollten Ihre Branding-Maßnahmen mit den tatsächlichen Kundenerlebnissen übereinstimmen. Konzentrieren Sie sich darauf, Ihre Markenversprechen einzulösen und wann immer möglich persönliche Interaktionen zu bieten, um unvergessliche Markenerlebnisse zu schaffen.

Das SWOT-Modell nutzen, um Schwächen zu erkennen & zu verwandeln

Kehren wir zurück zu Betriebswirtschaft 101: Strategisch angewandt kann eine SWOT-Analyse SaaS-Unternehmen helfen, ihre Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu identifizieren. Die Schwächen einer Marke können vielfältig sein – z.B. ein Produktmangel, operative Ineffizienzen oder fehlende Ressourcen. Entscheidend ist, diese Schwächen in Chancen und nicht in Risiken zu verwandeln.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen mit einer wenig intuitiven Benutzeroberfläche erkennt dadurch die Möglichkeit, gezielt in Design und Benutzerfreundlichkeit zu investieren. Ein anderes Beispiel: Ein Unternehmen hat einen schlechten Ruf im Bereich Kundendienst – hier kann durch gezielte Investitionen in Schulungen und Ressourcen für den Support eine echte Chance entstehen. Die Behebung solcher Schwächen ist der erste Schritt, um Produkte und Dienstleistungen zu verbessern und das gesamte Markenerlebnis zu stärken. 

Es mag überraschend klingen, aber in den Anfangszeiten von HubSpot stellte die geringe Markenbekanntheit eine bedeutende Schwäche dar. Diese entwickelte sich dann zu einer Chance und schließlich zu einer Stärke, als HubSpot eine umfassende Content-Marketing-Strategie umsetzte, die sie letztlich als Vordenker der Branche etablierte.

Durch die Erstellung von wertvollem und informativem Content adressierte HubSpot die Ursache ihrer Schwäche, nämlich die fehlende Sichtbarkeit. Mit der Zeit engagierten sie ihre Zielgruppe, boten Lösungen für deren Herausforderungen und bauten kontinuierlich eine treue Anhängerschaft sowie Fürsprecher auf. Dieser Ansatz führte nicht nur zu Markenbekanntheit, sondern positionierte sie heute als Anlaufstelle im Marketingbereich. Die Bereitschaft von HubSpot, die eigene Schwäche anzunehmen und in eine Kernkompetenz zu verwandeln, war ein wesentlicher Faktor für ihren Geschäftserfolg.

Wie Sie die Wahrnehmung Ihrer Marke bei Verbrauchern verändern

Das Geheimnis des Geschäftserfolgs liegt nicht darin, eine Illusion von Perfektion aufrechtzuerhalten, sondern darin, Fehler als Chancen für Authentizität und Wachstum zu begreifen. Das Ignorieren von Schwächen bringt keinen Vorteil – arbeiten Sie stattdessen daran, negative Kundenerfahrungen durch Echtheit, Transparenz und kontinuierliche Verbesserung umzuwandeln. Wenn Sie aktiv Vertrauen, Loyalität und eine nachhaltige Bindung zu Ihrer Zielgruppe fördern, wird Ihre Marke davon profitieren. Die Schwächen, die uns menschlich machen, sind dieselben, die unser Unternehmen zum Erfolg führen können.

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