Als Beraterin für Social-Strategien verbringe ich meine Tage damit, mich in den ständig wechselnden Strömungen der digitalen Marketinglandschaft zu bewegen. Und lassen Sie mich Ihnen sagen: Nachdem ich im letzten Monat verschiedene Trendberichte gelesen habe, zeichnet sich 2024 als ein spannendes Jahr ab.
Es geht dabei nicht nur um die Anpassung an neue Technologien wie künstliche Intelligenz oder externe Einflüsse auf den Markt (Stichwort Inflation).
Ein Bericht, der Digital Connections Report von Modern, befragte 300 CMOs großer B2B-Unternehmen in den USA und Großbritannien zu ihren Zielen, Herausforderungen und ehrgeizigen Ambitionen für die nächsten 18 Monate. Gerade dieser Bericht war für mich besonders aufschlussreich und hat meine Neugier geweckt, über die Statistik hinauszugehen.
Daher habe ich mich mit den realen Perspektiven von CMOs in meinem Netzwerk beschäftigt. Während die Daten einen umfassenden Blick auf die wichtigsten strategischen Schwerpunkte bieten, wollte ich direkt von Chief Marketing Officers erfahren, wie sie Ziele setzen und Herausforderungen im jeweiligen Unternehmenskontext überwinden.
In diesem Artikel teile ich zentrale Erkenntnisse aus dem Bericht von Modern sowie prägnante Gedanken aus meinen persönlichen Gesprächen, um aufzuzeigen, wie führende Marketer ihre Teams 2024 für den Erfolg aufstellen.
Die wichtigsten Prioritäten
1. Kommerzielles Wachstum
Laut dem Bericht von Modern steht das Steigern von Umsatz und kurzfristigem Wachstum ganz oben auf der Prioritätenliste der CMOs für 2024. Fast 75 % der befragten CMOs nannten das kurzfristige kommerzielle Wachstum des Unternehmens als vordringlichstes Ziel für die nächsten 12–18 Monate – noch vor langfristigen Zielen.
Dieser Fokus auf unmittelbare wirtschaftliche Ergebnisse zeigt, dass die CMOs einem höheren Druck von CEOs und Vorständen ausgesetzt sind, den ROI anhand von Kennzahlen wie monatlich wiederkehrendem Umsatz und Quartalsumsätzen nachzuweisen. Nach einigen aktuellen Branchenbeispielen wie der Solo Stove-Situation 2023 (und wie der CEO entlassen wurde, als die Umsätze nicht den Erwartungen entsprachen), ist das nachvollziehbar.
Um ambitionierte Umsatzziele zu erreichen, konzentrieren sich CMOs verstärkt auf die Durchführung hochgradig zielgerichteter, datenbasierter Marketingkampagnen, die von ihren eigenen Technologiestacks unterstützt werden – was für dieses Jahr zudem eine eigenständige Priorität darstellt.
Zu den kommerziellen Wachstumsstrategien für 2024 gehören unter anderem:
- Personalisierung von Botschaften und Angeboten durch KI-gestützte Kundensegmentierung
- Optimierung von Websites für die Leadgenerierung
- Automatisierung von Prozessen, um Interessenten durch den Funnel zu führen
Neue Technologien wie prädiktive Analysen und Account-Based Marketing auf Basis qualitativ hochwertiger First-Party-Daten werden zu zentralen Investitionen, um 2024 Pipeline und Conversion-Raten zu steigern. Allerdings müssen CMOs diese kurzfristigen Erfolge bei der Leadgenerierung mit längerfristigen Zielen wie Markenbekanntheit und Kundenbindung in Einklang bringen.
2. Kundenerlebnis
Eng verbunden mit dem kommerziellen Erfolg ist die Priorität des Kundenerlebnisses, denn bessere Erfahrungen werden entscheidend für kommerzielles Wachstum sein. Tatsächlich gaben 21 % der CMOs an, das Kundenerlebnis stehe ganz oben auf ihrer Prioritätenliste – im Vergleich zum Vorjahr, als nur 5 % dies angaben.
Dieser enorme Anstieg rückt die Notwendigkeit in den Fokus, dass Marken kundenzentrierter agieren müssen: Immer mit dem Blick darauf, wie sie die sich wandelnden Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Kundschaft erfüllen.
Die wachsende Nachfrage der Verbraucher nach personalisierten, nahtlosen Interaktionen über alle Touchpoints hinweg hat CMOs dazu veranlasst, erhebliche Investitionen in die Verbesserung des Kundenservices zu tätigen. Strategien für 2024 beinhalten:
- Konsolidierung der Marketing-Technologiestacks zur Aufhebung von Datensilos
- Einsatz neuer Tools wie Customer Data Platforms (CDPs) zur Erstellung einheitlicher Kundenprofile
- Optimierung der Customer Journey mithilfe von prädiktiver Analytik und KI-gestütztem Testing
Da Kunden heute über zahlreiche fragmentierte Kanäle mit Marken interagieren, werden reibungslose, kanalübergreifende Erlebnisse zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal.
Dennoch stehen CMOs großen Hürden bei der Umsetzung mutiger Service-Visionen gegenüber. Beispielsweise hemmen veraltete Systeme oft die Integration neuer Technologien. Change-Management und die Schulung für den Umgang mit datenbasierten Erkenntnissen stellen für viele Organisationen weiterhin Herausforderungen dar. Daher werden viele CMOs sowohl in Technologie als auch in organisatorischen Wandel investieren wollen.
3. Überarbeitung des Technologie-Stacks
Da die Marketing-Technologielandschaft weiter wächst, ist die Überarbeitung und Optimierung von MarTech-Stacks 2024 ein weiteres zentrales Anliegen für CMOs. Laut dem Bericht von Modern möchten 37 % der CMOs die Rolle von MarTech erhöhen, indem sie ihre Stacks erweitern, die Fähigkeiten verbessern und die Qualifikationslücke schließen.
Das Ziel der meisten CMOs ist es jedoch nicht, ihre Stacks einfach immer nur um neue Lösungen zu erweitern. Der Fokus liegt auf der Konsolidierung von Plattformen, dem Abbau von Silos und der Verbesserung der Integration dieser Tools, um ROI und die Akzeptanz im Team insgesamt zu steigern. Zunächst möchten CMOs das Beste aus den vorhandenen Systemen herausholen, bevor in neue Technologien und Marketing-Software investiert wird.
Fast die Hälfte der befragten CMOs erkennt an, dass eine Optimierung und Weiterentwicklung ihrer Marketingtechnologie- (MarTech-) Strategien notwendig ist, und es ist absehbar, dass die Bedeutung von Technologie im Marketing weiter steigen wird. Sie sollten wissen, welche MarTech-Jobs Sie 2024 besetzen müssen, um dieses Potenzial optimal zu nutzen.
Die größten Herausforderungen
1. Unzureichende Nutzung kundenorientierter Plattformen
Obwohl kundenorientierte Technologien wie Marketing-CRM-Software und Marketing-Automatisierungsplattformen entscheidend sind, um personalisierte Erlebnisse zu bieten, haben viele CMOs Schwierigkeiten, diese Tools effizient einzusetzen. Viele haben festgestellt, dass diese Plattformen in ihren Unternehmen zu wenig genutzt werden, erkennen jedoch, wie wichtig sie für verbesserte Kundenerlebnisse sind.
CMOs investieren häufig viel in diese kundenorientierten Tools, können deren vollen Nutzen jedoch nicht ausschöpfen – meist aufgrund von mangelhaftem Change Management und unzureichender Schulungen. Um durch Plattformen bessere Kundenerfahrungen zu schaffen, braucht es mehr als nur den Kauf neuer Technologie – es ist ein organisatorisches Bekenntnis nötig.
2. Qualifikationslücke bei Marketing-Automatisierung
Auch wenn Marketing-Automatisierungsplattformen für bessere Kundenerlebnisse unverzichtbar sind, kämpfen viele CMOs damit, das nötige Know-how in ihren Teams aufzubauen, um diese Tools voll auszuschöpfen. Tatsächlich nannten 22 % der CMOs einen Wissensmangel sowie Widerstand gegen Veränderungen seitens der Marketingteams als wesentliche Faktoren, die den vollen Einsatz von MarTech-Stacks behindern.
CMOs, die dieses Jahr in Marketing-Automatisierung investieren wollen, müssen zur Wertschöpfung dieser Plattformen zunächst interne Kompetenzlücken überwinden.
Das Auf- und Ausbauen von Fähigkeiten im Team ist entscheidend – durch verstärkte Schulungen und Weiterbildungen zu Automatisierungswerkzeugen. Allerdings kommt auch den MarTech-Anbietern eine wichtige Rolle zu: Sie sollten praxisnahe Anleitung und Best-Practice-Ressourcen bereitstellen, da CMOs auf deren Unterstützung in puncto Training und Know-how angewiesen sind.
Mit genügend internem Fokus und externer Unterstützung durch Technologiepartner können CMOs darauf hinarbeiten, Kompetenzlücken in Sachen Marketing-Automatisierung zu schließen.
Der Balanceakt des CMO
Die heutigen CMOs stehen vor der Herausforderung, wirtschaftliches Wachstum zu generieren, Kundenerlebnisse zu verbessern und mit technologischen Neuerungen Schritt zu halten. Während Prioritäten wie Umsatzsteigerung, bessere Kundenservices und die Optimierung der MarTech-Stacks ganz oben auf der CMO-Agenda stehen, ist deren Umsetzung mit diversen Hürden verbunden.
Ein erster wichtiger Schritt ist, das Team auf die strategischen Prioritäten für das kommende Jahr einzuschwören. Eine klare Roadmap, die ihren Fokus auf Umsatz, Kundenbindung und MarTech-Einführung legt, bietet Orientierung im Wandel der digitalen Transformation. Mit den richtigen Prioritäten, Plänen und Menschen haben CMOs das Potenzial, das Wachstum zu beschleunigen.
Die Aufgaben und Rahmenbedingungen für CMOs werden sich auch 2024 weiterentwickeln. Abonnieren Sie auf jeden Fall den The CMO Newsletter, um die neuesten Einblicke direkt in Ihr Postfach zu bekommen. Und für eine weitere spannende Lektüre empfehlen wir unseren Artikel über Impostor-Syndrom!
