Eine Marke von Grund auf neu aufzubauen ist selten. Sie innerhalb einer der weltweit ikonischsten Sportarten zu etablieren – und das ganz ohne existierendes Marketing-Playbook – ist noch seltener.
In diesem Gespräch teilt Cadillac Formula 1 CMO Ahmed Iqbal (Meddy), was es braucht, um ein neues Formel 1-Team zu starten, dabei Glaubwürdigkeit bei langjährigen Fans zu gewinnen und zugleich eine völlig neue Generation zu begeistern. Von der Entwicklung einer publikumsorientierten Content-Strategie bis hin zur Neubewertung von Zugänglichkeit in einem traditionell exklusiven Sport – diese Episode beleuchtet die Führungsentscheidungen, die hinter dem Aufbau einer modernen Marke in Echtzeit stehen. Jede Entscheidung führt zurück zu einer zentralen Frage: Wie erschafft man eine Gemeinschaft, der Menschen wirklich angehören wollen?
Das lernst du
- Warum Markenaufbau von Grund auf bedeutet, den Zweck vor Kampagnen oder Content festzulegen.
- Wie Cadillac Formula 1 die Balance schafft, eingefleischte F1-Fans zu bedienen und gleichzeitig ein neues Publikum zu gewinnen.
- Das strategische Denken hinter der Entscheidung, Zugänglichkeit statt Exklusivität für wichtige Markenmomente zu wählen.
- Wie Publikumsdaten – und nicht bloße Annahmen – die Content-Prioritäten über YouTube, Instagram, TikTok, Threads und X hinweg bestimmen.
- Was es braucht, eine Content-Engine mit hoher Schlagzahl aufzubauen, die an einem Rennwochenende Hunderte von Inhalten produziert.
- Warum Experimentieren wichtig ist – aber erst, wenn die operativen Grundlagen gesichert sind.
- Wie Marketingverantwortliche Gemeinschaften aufbauen können, indem sie Kund:innen in die Reise einladen, statt bloß das Ziel zu bewerben.
- Lektionen in Führung unter Unsicherheit, schnellem Wachstum und ständiger Priorisierung als CMO in neuer Rolle.
Wichtige Erkenntnisse
- Am Anfang steht das „Warum“, nicht der Marketing-Plan.
Ohne Markenleitlinien aus der Vergangenheit oder historische Kampagnen war Ahmeds oberste Priorität nicht die kreative Umsetzung – sondern herauszuarbeiten, wofür Cadillac Formula 1 steht. Markenstrategie, Publikumsstrategie, Content, Design sowie die Organisationsstruktur bauten darauf auf. - Wachstum muss nicht auf Kosten des bestehenden Publikums erfolgen.
Statt sich zwischen langjährigen Formel 1-Fans und Neuzugängen zu entscheiden, setzte Cadillac auf parallele Content-Strategien. Technisch anspruchsvolle Engineering-Inhalte sprechen erfahrene Fans an, während persönlichkeitsgetriebene Geschichten neuen Fans den Einstieg erleichtern. - Zugänglichkeit kann zum Wettbewerbsvorteil werden.
Statt die erste Lackierung hinter verschlossenen Türen zu zeigen, verwandelte Cadillac den Times Square in ein offenes Fan-Erlebnis. Die Strategie forderte Formel 1-Konventionen heraus und blieb dabei dennoch konsistent mit Cadillacs Premium-Positionierung. - Content-Geschwindigkeit ist eine operative Herausforderung – nicht nur eine kreative.
200–300 Inhalte an einem Rennwochenende zu produzieren, verlangt mehr als nur kreative Köpfe. Es braucht effiziente Workflows, abgestimmte Produktionsprozesse, schnelle Bearbeitung und interdisziplinäre Zusammenarbeit in einer der geschäftigsten Umgebungen im Profisport. - Daten sollten kreative Entscheidungen leiten – nicht ersetzen.
Leistungsdaten geben vor, was ausgeweitet, verfeinert oder eingestellt wird. Statt jedem Trend hinterherzujagen, analysiert das Team das Verhalten der Zielgruppe je Plattform und investiert gezielt dort, wo das Engagement echtes Interesse widerspiegelt. - Plattform-Strategien orientieren sich am Nutzerverhalten.
Instagram zeigt das breite Formel 1-Lifestyle-Spektrum. YouTube ermöglicht tiefere Geschichten für engagierte Fans. TikTok führt neue Zielgruppen mit Persönlichkeiten und Blicken hinter die Kulissen heran. Threads funktioniert fast wie eine permanente Fokusgruppe. - Innovation kommt nach operativer Exzellenz.
Ahmed ist überzeugt: Experimentieren ist essenziell – aber erst, wenn die grundlegenden Abläufe zuverlässig funktionieren. Starke Marketing-Operationen schaffen Freiraum für mutigere Ideen. - Gemeinschaft ist der langfristige KPI.
Publikumswachstum ist wichtig – aber das größere Ziel ist, eine Fangemeinde zu schaffen, die Cadillac Formula 1 als „wir“ bezeichnet. Dieser Wandel – von Zuschauern zur Community – ist das finale Markenziel des Teams.
Kapitel
- 00:00 — Aufbau von Cadillac F1
- 01:40 — Kein Leitfaden
- 02:33 — Neue Fans gewinnen
- 05:14 — Die Präsentation des Designs
- 06:04 — Zwei Zielgruppen
- 08:56 — Content skalieren
- 10:57 — Zuerst das Fundament
- 13:09 — Plattform-Strategie
- 15:05 — Führen mit Tempo
- 17:27 — Von Konkurrenten lernen
- 18:37 — Die Dokumentation
- 19:42 — Community aufbauen
- 21:13 — Zugänglich von Anfang an
- 22:31 — Ein Blick nach vorn
Unser Gast im Porträt

Ahmed Iqbal ist ein erfahrener Marketingmanager mit einer Laufbahn in den Bereichen Automobil, Technologie und Finanzen. Als Chief Marketing Officer von Cadillac Formula 1 leitet er die globale Marketingstrategie des Teams, Markenentwicklung, Fanbindung und Partnerschaften und prägt dabei die Identität des Teams auf dem US-Motorsportmarkt. Bevor er zu Cadillac F1 kam, verantwortete er die Automobilstrategie bei TikTok. Zuvor war er als Head of Global Automotive bei Twitter (jetzt X) tätig, nachdem er sieben Jahre lang Führungspositionen bei Audi of America bekleidet hatte und zu Beginn seiner Karriere im Investmentbanking bei J.P. Morgan arbeite.
Ressourcen aus dieser Folge:
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Breanna Lawlor: Es gab kein Vorgehensmodell, kein aufgebautes Marken-Erbe dafür. Ahmed Iqbal, auch bekannt als Meddy, ist Chief Marketing Officer bei Cadillac Formula 1. Bevor er zur Rennserie kam, verbrachte er fast ein Jahrzehnt in leitenden Positionen für soziale Medien bei TikTok und Twitter und entwickelte außerdem Markenstrategien bei Audi. Wir sprechen darüber, was es bedeutet, eine Marke in einem bereits mythologisierten Sport von Grund auf neu aufzubauen, wie Meddy die Balance zwischen Teamidentität und Fahrerpersönlichkeit betrachtet und warum er auf Fan-Zugänglichkeit statt Exklusivität setzt. Außerdem verrät er, was das Miami Grand Prix-Event über die Zukunft der Marke Cadillac sagt.
Ich bin Breanna Lawlor. Und das ist der CMO Club Podcast. Meddy, herzlich willkommen. Lassen Sie uns einsteigen.
Erzählen Sie uns doch erstmal, wer Sie sind – Ja ... bei welchem Unternehmen Sie tätig sind und was Ihre Rolle ist.
Ahmed Iqbal: Auf jeden Fall. Also ich bin Chief Marketing Officer des Cadillac Formel 1-Teams.
Ich bin jetzt seit etwa sieben Monaten in dieser Rolle. Davor war ich hauptsächlich im Bereich Social Media tätig. Ja. Ich habe fast drei Jahre bei TikTok gearbeitet und davor fast vier Jahre bei Twitter. Und davor war ich in der Automobilbranche, genauer gesagt bei Audi of America, fast ein ganzes Jahrzehnt auf der Audi-Markenseite.
Der rote Faden war also schon immer Automotive und Social, und jetzt ist daraus die CMO-Rolle bei Cadillac F1 geworden.
Breanna Lawlor: Mir gefällt, dass Sie das Thema „schnelllebig“ durch Ihre ganze Karriere gezogen haben.
Ahmed Iqbal: Ja. Schnelllebig, chaotisch, von einer heißen Situation in die nächste springen. Sie wissen schon, von den Übernahme-Phasen bei Twitter zu TikToks Reise, ein amerikanisches Unternehmen zu werden – und jetzt ein F1-Startup-Team, das ist sehr aufregend.
Breanna Lawlor: Das ist aber gut – Ja ... denn, ich meine, damit sind Sie bestens aufgestellt-
Ahmed Iqbal: Genau ...
Breanna Lawlor: in einer Organisation, die historisch gesehen noch nie einen CMO hatte. Sie sind der erste CMO bei Cadillac F1.
Ahmed Iqbal: Ja, das stimmt.
Breanna Lawlor: Also kein Handbuch für Sie. Wie war das bisher?
Ahmed Iqbal: Es war aufregend. Es war chaotisch. Es hat Spaß gemacht. Es war stressig.
Es war alles auf einmal. Im Prinzip der erste Marketingmitarbeiter im Team, also ein ganz neues Team. Wir sind quasi im März 2025 an den Start gegangen. Ich kam im Oktober letzten Jahres dazu und wir haben angefangen, das Team von Grund auf aufzubauen. Alles von Marke bis Kreation, von Kommunikation bis Digital: Wir haben erste Gespräche geführt, wie diese Organisationsstrukturen aussehen könnten.
Und dann auch die eigentliche harte Arbeit: Wofür steht dieses Team? Was ist unser Warum? Wie bauen wir eine Markenstrategie rund um unser „Warum“? Der Rahmen der Content-Strategie, Zielgruppenstrategie, Design-Identität. Es geht darum, wie die Marke aussieht und sich anfühlt. In sieben Monaten ist sehr viel passiert, es war eine intensive Lernerfahrung, aber es macht auch einfach viel Spaß.
Breanna Lawlor: Kein Witz. Ja. Und eine Sache, die mir gestern besonders aufgefallen ist, ist, wie Sie Ihr Publikum einladen. Gleichzeitig haben Sie durch andere Herangehensweisen eine neue Zielgruppe erreicht. Möchten Sie darauf eingehen?
Ahmed Iqbal: Ja, absolut. Einer der Hauptaspekte, die wir als Team verfolgten, war von Anfang an, die wachsende Formel 1-Zielgruppe gezielt anzusprechen.
Ja, oder? Die Formel 1 ist seit langem ein traditionsreicher, international sehr erfolgreicher Sport. In Kanada sind die Fans sogar schon länger dabei – ein Lob an die Kanadier, sie sind Vorreiter bei der Formel 1. Aber in den USA wächst das Interesse erst seit etwa fünf Jahren stark an. Wir wollten diesen Trend aufgreifen und herausfinden: Wenn wir das Team Amerikas sein sollen, was bedeutet das dann, und wie bereiten wir das Team darauf vor, ein Team der Zukunft zu sein und uns auf die neue Fan-Generation einzustellen?
Die erste große Idee, an der wir arbeiteten, war die Enthüllung des Lackdesigns (Livery Reveal) – ein großes Ereignis in der Formel 1, wenn das Team zeigt, wie das Auto aussehen wird. Für uns war es besonders, weil es unser allererstes Auto war. Erstes Jahr, erstes Auto – wie machen wir das besonders?
Unser Team-CEO Dan Tauras gab uns gleich zu Beginn eine klare Ansage: „Ich will einen Super Bowl-Werbespot.“ Was ist amerikanischer als das? Im Mittelpunkt von Sport und Entertainment stehen und den eigenen Weg finden. Wir haben uns also gefragt: Wie können wir es anders machen?
Genau. „Wie wollen wir neue Zielgruppen ansprechen?“ Wichtig war nicht nur die große Reichweite, der Glamour eines Super Bowl-Werbespots, sondern auch: Wie machen wir unser Team zugänglicher? Wie können Fans leichter Teil des Ganzen werden? Formel 1 ist ja so ein faszinierender Sport.
Es ist ein globaler Sport – 24 Rennen in verschiedenen Städten weltweit. Extrem kostspielig. Die Tickets sind sehr teuer und selten zu bekommen. Das ist für viele eine Hürde, um live dabei zu sein – bei einem echten Rennen oder vor Ort.
Als Marketer muss man überlegen, wie man Momente schafft, in denen sich Fans mit dem Produkt, der Marke verbinden, auch wenn sie keinen Zugang zu einem Rennen oder zum Hauptquartier haben. Für die Enthüllung unserer Lackierung haben wir darum nach einem möglichst einladenden, zugänglichen Weg gesucht, trotzdem aber einen gewissen Luxus beibehalten.
Am Ende gehören wir zur Cadillac-Marke. Es sollte also hochwertig wirken. Deshalb haben wir beschlossen, das Erlebnis mitten am Times Square in New York stattfinden zu lassen, einer der globalsten Städte der Welt. Jeder hat dort die Chance, vorbeizuschauen – der Times Square ist demokratisch, da alle U-Bahnen dorthin führen. Also haben wir am Super Bowl-Sonntagabend dort unsere Show gemacht, das Auto enthüllt und alle konnten vorbeikommen. Das ist ein Beispiel, wie wir gezielt neue Fans ansprechen wollten.
Denn normalerweise finden diese Enthüllungen in Studios statt, das Event ist exklusiv mit Presse geladen, kein Zutritt für die breite Masse. Wir haben das nach draußen verlegt: „Kommt alle vorbei!“ Die Fans hatten Priorität gegenüber dem exklusiven Kreis.
Breanna Lawlor: Wie kam das an?
Ahmed Iqbal: Kam sehr gut an. Die F1-Presse fand es spannend, mal etwas Neues zu sehen. Die F1-Fans auch – und gerade die neuen Fans, die noch neugierig sind, fanden es spektakulär und greifbar. Aus Sicht der Zahlen: Wir hatten über 1,1 Milliarden Impressionen bei der Livery-Enthüllung – laut unseren Analysen war das die beste Enthüllung des Jahres. Wir sind sehr stolz auf den Moment und die harte Arbeit des Teams hat sich ausgezahlt.
Breanna Lawlor: Schön zu hören! Es erfordert viel Talent, einerseits das bestehende Publikum zu halten und gleichzeitig neue zu gewinnen. Als Marketingchef und noch kein Jahr im Amt –
Ahmed Iqbal: Ja ...
Breanna Lawlor: Wie gelingt Ihnen das so elegant und trotzdem bodenständig?
Ahmed Iqbal: Zwei wesentliche Zielgruppen stehen im Fokus, und ich denke, das ist bei vielen Formel 1-Teams ähnlich: Die Kernfans, die den Sport groß gemacht haben. Zu verstehen, was ihnen wichtig ist – bei Events, Inhalten, Partnerschaften, Sponsoren.
Und dann die andere Seite: Menschen, die gerade erst neugierig werden, vielleicht wegen „Drive to Survive“ oder weil ihre Freunde F1 schauen, die aber noch nicht richtig eingestiegen sind. Wie spricht man diese besser an?
Was brauchen sie für Content? Wo sollte man präsent sein? Wir fahren da also zweigleisig: Mit Demut und Wertschätzung gegenüber den langjährigen Fans – sie bringen den Sport dahin, wo er jetzt ist. Wir liefern genug Content speziell für sie an Rennwochenenden.
Denn der Hunger nach Inhalten bei Hardcore-Fans ist hoch. Uns war schnell klar: Für einen Rennsonntag braucht es locker 200 Content-Teile, um überhaupt mithalten zu können. Das ist ganz schön viel für ein neues Team.
Breanna Lawlor: Das ist eine Hausnummer!
Ahmed Iqbal: Ja. Und bei den anderen Fans ist die Frage: Warum sind sie noch nicht dabei? Sind wir vielleicht nicht präsent genug? Integrieren wir die Marke auch in andere Fandom-Bereiche – Sportarten, Mode, Essen?
Genau. Wo können wir noch auftauchen? Wir haben eine Strategie entwickelt, um beide Gruppen zu bedienen: Inhalte für Neue und Inhalte für Bestehende. Beispiel: Unsere neue YouTube-Serie heißt „Cruise Control mit Terry Crews“ –
Wer mag Terry Crews nicht? Er nennt sich einen „aspirational expert“.
Breanna Lawlor: Das ist herrlich!
Ahmed Iqbal: Ja. Er ist jetzt schon Mega-Fan und lernt alles über den Sport, begleitet uns und dokumentiert seine Reise – für die Perspektive des Neulings.
So bekommen eben Neue einen ganz unmittelbaren Einblick ins Team. Gibt es auf YouTube. Parallel arbeiten wir mit General Motors an einer Serie namens „Was macht schnell?“. Für die eingefleischten Fans: Hier wird dokumentiert, wie General Motors den ersten eigenen Rennmotor für uns baut, der zum Ende der Dekade bereitstehen soll.
Das gewährt tiefere Einblicke, wie man sie selten bekommt: Ein neuer Hersteller baut von Grund auf einen Motor – das ist einzigartig für F1, richtet sich aber an die Hardcore-Fans. So balancieren wir unsere Inhalte aus.
Langfristig heißt das: Mehr Content, datengetriebene Entscheidungen – was wollen die Fans, was funktioniert, was nicht? Daraus können wir in alle Richtungen relevante Angebote machen.
Breanna Lawlor: Das ist viel. Die Menge ist enorm.
Ahmed Iqbal: Ja. Und gerade um bei anderen Fans anzukommen: Warum folgen sie nicht schon der F1? Sind wir für sie nicht sichtbar genug oder zu wenig integriert in Bereiche wie Sport, Fashion, Food etc.?
Daher unsere Doppelstrategie. Für neue Fans haben wir Serien wie mit Terry Crews. Für die alten Fans tiefe technische Einblicke, etwa mit General Motors. Immer datenbasiert – darauf hören, was wirklich funktioniert, und daraus lernen.
Breanna Lawlor: Die vielen Inhalte und die Notwendigkeit, mehr zu produzieren – nutzen Sie KI, um Muster zu erkennen und nächste Schritte zu planen? Gibt es unerwartete Reibungspunkte laut Ihren Daten?
Sie sagten ja: Wir analysieren, was angeschaut wird und wo Leute aussteigen.
Ahmed Iqbal: Ja.
Breanna Lawlor: Und dann optimieren Sie nach dem Prinzip „mehr davon, weniger davon“. Gibt es Überraschungen?
Ahmed Iqbal: Ja. Die größte Hürde am Anfang war, die Content-Maschine so auf Fahrt zu bringen, wie wir es brauchten.
Also 200–300 Inhalte pro Woche an einem Rennwochenende – wie geht das, mit den Beschränkungen im Paddock? Denn der Platz ist begrenzt, man kann nicht beliebig viele Leute und Kameras zum Drehen schicken.
Nummer eins: Ich habe noch nicht das Team. Nummer zwei: Der Paddock ist eng, man muss sich auskennen. Zudem ist es ein Live-Arbeitsplatz. Im Grunde ist man im Produkt, während es entsteht, und produziert Content.
Breanna Lawlor: Kein Witz.
Ahmed Iqbal: Ja, es ist eine besondere Dynamik. Die Mechaniker bauen an den Autos, die Fahrer bereiten sich vor, alles in rasantem Tempo. Im Hintergrund laufen Führungen, Content-Shoots, es ist fast wie ein Ballett, dass alle sich am richtigen Ort befinden. Für mich als Neuling im F1-Bereich war das Learning: Die Prozesse so aufbauen, dass Inhalte zügig geschnitten und veröffentlicht werden, damit wir genauso schnell am Markt und auf Plattformen sind wie die anderen Teams. Das hat etwas gedauert – aber inzwischen haben wir beim letzten Rennen über 300 Inhalte produziert. Wir lernen also stetig dazu. Die Geschwindigkeit und der enge Rahmen sind schon besonders in der F1.
Breanna Lawlor: Keine Frage. Wenn Sie sich entscheiden müssten – Experimentieren, Geschwindigkeit oder Qualität: Was steht für Sie in diesem Jahr als CMO im Fokus?
Ahmed Iqbal: Gute Frage. Im Idealfall natürlich alles. Aber wenn ich priorisieren muss zwischen Experimentieren, Geschwindigkeit und Qualität: Wir sprechen viel darüber.
Experimentieren ist wichtig, die Basics müssen aber stimmen. Denn es gibt nur elf Teams, zehn davon sind länger dabei – wir müssen uns Respekt bei der Formel 1-Community erarbeiten, zeigen, dass wir es richtig machen und Traditionswerte achten.
Qualität hat daher Priorität, das Fundament des Marketings muss stimmen. Das ist für mich auf Platz eins. Geschwindigkeit ist dann fast zwangsläufig, sie passiert in der F1 sowieso. Sie wünschen sich oft mehr Zeit, aber die Realität ist: Das Zirkus ist immer unterwegs, man ist nie ganz „fertig“ – das lehrt einen die F1 sehr schnell. Innovation und Experimentieren ist mein Markenzeichen, weil ich Neues teste – so erzielt man Durchbrüche und hebt sich ab – vor allem auch für die Fans.
Das bleibt ein fester Bestandteil, aber der größte Fokus liegt erst nach dem Aufbau der Grundlage wirklich auf Innovation.
Breanna Lawlor: Das macht Sinn.
Ahmed Iqbal: Ja.
Breanna Lawlor: Gibt es bestimmte Kanäle, auf die Sie besonders setzen, um bestehende wie neue Fans zu erreichen? Und wie balancieren Sie die Inhalte auf verschiedene Plattformen?
Ahmed Iqbal: Gute Frage. Zu Beginn, im November, lag der Fokus auf Instagram. Ein wenig waren wir auch auf Facebook und X vertreten – X nutzen wir wie die meisten für News und Ankündigungen, Instagram war der Hauptkanal. Seitdem haben wir YouTube, TikTok und Threads gestartet. Jede Plattform hat eine andere Nutzerschaft.
Bei YouTube sind viele langjährige F1-Fans mit Interesse an längeren Inhalten. Instagram ist mehr das Magazin der F1: Sport, Lifestyle, Drama – ein Rundumpaket. Dort gehen Fans hin, um den großen Überblick zu bekommen.
TikTok hingegen wächst rasant, vor allem für Schnipsel und Heldengeschichten, gerade bei jungen amerikanischen Fans. Die Fahrer prägen dort die Storys, TikTok ist wichtig für hinter den Kulissen und schnelle Formate.
Threads ist spannend als quasi Fokusgruppe – man bekommt gutes Feedback, was funktioniert und was nicht. Wir lernen auf allen Kanälen direkt von der Community.
Breanna Lawlor: Also lernen Sie genau, wie die Kanäle genutzt werden, um das passende Angebot zu schneidern.
Ahmed Iqbal: Zu 100%. Das ist mein Lieblingsthema: Zu beobachten, wie Dinge performen, Feedback auszuwerten und daraus besser zu werden. So liefern wir den Fans genau das, wonach sie verlangen.
Breanna Lawlor: Klar.
Ahmed Iqbal: Ja.
Breanna Lawlor: Sie sind viel unterwegs, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Wie bleiben Sie dabei auf Kurs und wer unterstützt Sie beim „geerdet Bleiben" in Sachen Marketing?
Ahmed Iqbal: Vor allem habe ich ein großartiges Team. Wir teilen uns alles auf, verlassen uns aufeinander. Es passieren viele Dinge parallel, da hilft es sehr, wenn jeder für den anderen einspringt – typisch Teamsport.
Das Zweite ist ein klarer Rhythmus: Der Sport läuft 24/7. Wir haben Leute in UK, in den USA, und global verstreut. Man hat ständig das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein.
Deshalb: Sich selbst Spielraum geben und knallhart priorisieren. Das habe ich gelernt – Priorisieren ist alles. Und was das Thema Erdung betrifft: Ich persönlich halte meinen Morgenritual strikt ein, egal wo ich bin. Das bringt mich in die richtige Spur.
Wenn ich mal Freizeit habe, versuche ich lokale Eindrücke zu sammeln – wie jetzt gerade in Vancouver oder auch anderswo bei Rennen. Das gibt Input, wie ein lokaler Markt tickt und liefert Inspiration für die Marke, was wir regional als Nächstes machen könnten.
Breanna Lawlor: Sehr clever. Sie erkennen im direkten Erleben, was funktioniert – und das schärft den eigenen Blick.
Ahmed Iqbal: Ja.
Breanna Lawlor: Schauen Sie auch zu Ihren Wettbewerbern? Wie ist die Beziehung zu anderen F1-Teams?
Ahmed Iqbal: Ich bin ein Lernender im Marketing, schaue mir immer an, was andere machen. Es gibt viel Inspirierendes, aber auch Dinge, aus denen ich lernen kann.
F1 ist extrem umkämpft – alles ist Wettbewerb, auch Marketing und Kommerzielles. Aber es gibt auch Respekt und viel zu lernen: Ich beobachte bewusst, damit unser Ansatz einzigartig bleibt und wir uns differenzieren.
Breanna Lawlor: Ich habe heute mit Brooke Stites gesprochen, die maßgeblich an Kimi Antonellis Film mitgearbeitet hat. Wäre ein ähnliches Projekt für Cadillac vorstellbar?
Ahmed Iqbal: Wir haben tatsächlich dieses Jahr eine Dokumentation geplant – „Behind the Scenes“, wie Cadillac F1 entstand. Das ist selten: Ein neues F1-Team von Grund auf. Wir wollen möglichst verschiedene Perspektiven einfangen – je nach Publikum. Es wird also mehr Content geben, und je weiter das Team reift, desto mehr. Auch längere Formate gehören dazu.
Breanna Lawlor: Absolut auch ein Signal an Marketer weltweit, auf ihr Publikum zu hören und sich flexibel darauf einzustellen.
Ahmed Iqbal: Danke.
Breanna Lawlor: Wenn Sie überlegen, wo Sie in einem Jahr stehen wollen: Was wünschen Sie sich, was dann durch Ihren Einsatz erreicht ist?
Ahmed Iqbal: In einem Jahr hoffe ich: Die Fangemeinde ist gewachsen,
der Community-Gedanke lebt. Die Fans fühlen Stolz, Teil des Teams zu sein – durch Content und gemeinsame Erlebnisse. Man spricht von „wir“ – echte Bindung, wie es einige Teams und Sportarten schon geschafft haben.
Und: Wir gelten als Amerikas neues Team, stellen die über 100-jährige amerikanische Auto-Tradition und Innovation heraus. Außerdem: Wir vermitteln den Spirit des Träumens und Aufbaus – wir sind ein Team, das gerade im Entstehen ist und auf eine lange Reise geht. Wir wollen, dass Fans, Partner, Sponsoren uns dabei begleiten und mitbauen – bei allen Höhen und Tiefen.
Wenn die Leute sagen: „Das ist Amerikas Team, im Aufbau, mit einer coolen Community, zu der man gehören will“ – mehr kann ich mir kaum wünschen.
Breanna Lawlor: Schön. Und ich schätze den Wechsel weg von Exklusivität und Invite-only hin zu echter Zugänglichkeit und Gemeinschaft.
Ahmed Iqbal: 100%.
Breanna Lawlor: Echt stark.
Ahmed Iqbal: Es gibt immer eine Einstiegsbarriere für etwas Besonderes, das ist auch wichtig. Aber sie muss nicht immer Geld oder Eintrittspreis heißen. Für uns ist relevant: Unser Miami-Event hatte keinen Eintritt, wir haben die Paddock-Atmosphäre nachgebaut, eingeladen wurde über Engagement auf Socials, frühzeitiges RSVPing etc. Möglichst vielen Fans Zugang ermöglicht.
Sie wurden belohnt mit Checo, tollem Programm, Essen, Rennsimulatoren, sogar einem Salon. Viele kleine Erlebnisse. Barrieren bleiben grundsätzlich, aber sie sollen Neugier und Leidenschaft fördern – nicht Geld.
Gerade für die wachsende neue Fanbasis ist das entscheidend.
Breanna Lawlor: Es gibt also auf beiden Seiten klare Absicht.
Ahmed Iqbal: Ja.
Breanna Lawlor: Und das zahlt sich aus.
Ahmed Iqbal: Auf jeden Fall.
Breanna Lawlor: Herzlichen Glückwunsch zu sieben erfolgreichen Monaten als CMO!
Ahmed Iqbal: Vielen Dank ...
Breanna Lawlor: Es war ein Vergnügen, mit Ihnen zu sprechen und zu sehen, wie Sie das F1-Marketing neu denken. Bin gespannt, wohin es führt!
Ahmed Iqbal: Ich danke Ihnen. Wirklich sehr.
