Becca Banyard: Marketing-Führungskräfte stehen unter mehr Druck denn je: Sie müssen schneller agieren, Wirkung nachweisen, sich an KI anpassen und trotzdem vertrauenswürdige Marken aufbauen. Hinter all dem stehen größere Gespräche über Führung, Kreativität, Wachstum, Burnout und darüber, wie moderne Marketing-Leadership heute eigentlich aussehen soll. Genau deshalb starten wir den CMO Club Podcast.
Diese Show dreht sich um ehrliche, kluge Gespräche mit Marketing-Verantwortlichen, die all das in Echtzeit navigieren. Ich bin Becca Banyard, Produzentin des Podcasts, und heute darf ich die Moderatorin der Sendung vorstellen: Breanna Lawlor. Sie bringt einen Hintergrund in Kommunikation, Marketing und Videoproduktion mit und besitzt eine natürliche Neugier, die sie zur perfekten Gastgeberin des CMO Club Podcasts macht.
Breanna, willkommen zu deiner Show.
Breanna Lawlor: Vielen Dank, Becca, für diese liebevolle Vorstellung.
Becca Banyard: Es ist so aufregend, und ich habe gleich zu Beginn eine Frage: Was ist aktuell besonders herausfordernd daran, Marketing-Führungskraft zu sein?
Breanna Lawlor: Das ist eine großartige Frage. Wahrscheinlich stellen sich Führungskräfte diese Frage täglich selbst: “Warum ist das so schwer?”
Es liegt daran, dass wir uns in Zeiten bewegen, in denen niemand alle Antworten hat. Wir bauen das Flugzeug, während wir schon fliegen, und es gibt kein vorgefertigtes Handbuch für die Einführung von KI mit einem Team von mehreren hundert Marketer:innen. Es gibt keinen festgelegten Pfad, der in dieser Zeit für Ihr Unternehmen schon beschritten wurde. Mit Unklarheit umzugehen und zu führen, wenn man selbst nicht alle Antworten kennt: Das ist an sich schon schwer, denn dazu braucht es eine starke eigene Perspektive, Intuition – und dann muss man auch noch mit der Sichtbarkeit zurechtkommen, die mit der Rolle als Marketing-Führungskraft einhergeht.
Es ist viel. Nie war man so exponiert. Sie sind verantwortlich für Wachstum, für die Marke, für die Navigation durch eine komplette Transformation der Belegschaft – das ist einfach eine große Aufgabe. Und Sie müssen nicht alles perfekt machen, aber Sie müssen in die richtige Richtung gehen. Bis Sie am Ziel sind, bleibt vieles ein Ratespiel, und erst im Nachhinein denken Sie vielleicht: “So schlimm war es eigentlich gar nicht.”
Ich glaube, es ist, als stecke man zwischen Baum und Borke. Der Druck kommt nicht nur von außen, sondern auch von innen – sowohl von sich selbst als auch vom Team, das man führt. Man arbeitet also in einem dauerhaften Druckumfeld. Manche Menschen blühen darin auf, bei anderen wirkt es belastend. Und ich glaube, genau das ist so schwer am Marketing-Leadership – dass es noch nie so viel Sichtbarkeit, Druck und Unklarheit gleichzeitig gab.
Becca Banyard: Das ist wirklich viel. Und selbst wenn man unter Druck gut arbeitet, als Mensch hält man nur eine bestimmte Menge davon aus, also …
Breanna Lawlor: Ja, wenn es einen Rat gibt, der einem durch diese Zeit hilft, dann ist es der: Vernetze dich mit anderen Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind. Niemand muss alle Antworten kennen.
Manchmal hilft es schon, jemanden im eigenen Netzwerk zu haben, der vielleicht ein paar Antworten mehr hat als man selbst. Man fühlt sich gehört, gesehen und ist bereit, am nächsten Tag wieder aufzustehen und weiterzumachen. Das ist es, was Führung letztlich ausmacht. Sie müssen nicht alles wissen, aber Sie müssen bereit sein, Präsenz zu zeigen, beständig zu bleiben und weiterzugehen – auch wenn das Handbuch dazu fehlt.
Becca Banyard: Wenn ich in meiner eigenen Karriere über Ungewissheit spreche, heißt es oft: Niemand hat die Antworten. Wir müssen eine Lösung finden, konsequent nach Lösungen suchen, daran festhalten und schauen, ob es funktioniert. Wenn nicht, scheitert man, lernt daraus und probiert die nächste Lösung. Das scheint das gemeinsame Muster zu sein – egal ob als Marketing-Führungskraft oder Multimedia-Produzentin.
Breanna Lawlor: Absolut. Ich glaube, vieles daran … Es gibt – gerade im digitalen Leben – natürlich das Bedürfnis nach einem sicheren Raum, aber der wirklich sichere Ort ist der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch. Wir sind alle nicht perfekt, wir machen alle Fehler, besonders wenn sich Dinge so rasant verändern. Das ist schon irgendwie verrückt.
Man muss Schritt halten – sonst bleibt man auf der Strecke. Es geht letztlich darum, demütig zu sein und gezielt nach Antworten zu suchen, wenn man sie selbst noch nicht hat.
Becca Banyard: Ja, und um nochmals zum „Druckkochtopf“-Beispiel zurückzukommen: Durch diese persönlichen Kontakte, oder auch wenn man einfach anderen bei ihren Erfahrungen zuhört, fühlt es sich an, als würde man vorsichtig den Deckel anheben und so ein bisschen Druck entweichen lassen, damit es weitergehen kann.
Breanna Lawlor: Genau. Es gibt viele Wege, Druck zu reduzieren, aber die Peer-to-Peer-Verbindung ist ein roter Faden für Führungskräfte – denn egal, aus welcher Branche: Die Parallelen sind oft enorm, einfach weil man im C-Level als Marketer arbeitet.
Du hast schon mit einigen Marketing-Führungskräften gesprochen. Was fällt dir aktuell bei CMOs auf, das viele nicht sehen? Früher waren CMOs vor allem für Kampagnen und Resultate zuständig – heute geht es vor allem darum, Vertrauen aufzubauen: Zu den Zielgruppen, zum eigenen Team, zum Aufsichtsrat.
Das war eigentlich schon immer so – aber jetzt ist es viel sichtbarer. CMOs müssen heute auch Vordenker:innen sein, sie müssen sich zeigen und ihren Standpunkt vertreten. Es lastet enormer Druck auf CMOs, die Vision zu verantworten und sie dann umzusetzen.
Das ist viel Druck. Manche können damit besser umgehen als andere. Diejenigen, die das gut machen, sind meist sehr demütig, stellen die richtigen Fragen und tun nicht so, als hätten sie alle Antworten. Diese Spannung ist in jeder Facette einer CMO-Rolle spürbar; das hat seinen Grund – manchmal ist es hilfreich, manchmal hinderlich.
Es ist gut, herauszufinden, wann man diese Spannung verstärken und wann man sie lösen sollte.
Becca Banyard: Im Moment passiert in der Branche sehr viel, vor allem durch den Einfluss von KI und die damit verbundene Disruption. Mich interessiert: Was macht die Marketingbranche deiner Meinung nach aktuell falsch?
Breanna Lawlor: Auch eine sehr gute Frage. Die kam in den letzten sechs Monaten oft auf. Das größte Problem ist, Bewegung mit Fortschritt zu verwechseln. Das ist nicht dasselbe! Schnelligkeit bedeutet nicht automatisch wertvolle Ergebnisse oder Resultate – und ein bisschen FOMO tut manchmal eher weh als gut.
Mein Rat wäre daher: Das vorherrschende Narrativ, dass Schnelligkeit über alles geht, ist problematisch. Bewegung ist gut, solange sie in die richtige Richtung geht.
Becca Banyard: Das gefällt mir. Ich habe mal gehört: Viele nutzen KI, um lediglich schlechte Prozesse zu beschleunigen. Man sollte Prozesse mit Hilfe von KI wirklich verbessern und effizienter machen.
Breanna Lawlor: Dieses Thema zieht sich durch viele Gespräche. Fast alle Gesprächspartner:innen haben schon gesagt: Sie kennen das bestimmt, KI ist ein Verstärker – sie verstärkt das Gute und das Schlechte. Sie wirkt wie ein Mikroskop auf Prozesse und Arbeitsabläufe. Wenn Sie auf KI setzen, sollten Sie sich auf grelles Licht und ein Mikroskop einstellen!
Ja, KI kann Dinge beschleunigen – aber in die richtige Richtung? Das bleibt abzuwarten.
Becca Banyard: Genau, und da sind wir wieder beim Thema Vertrauen: Das ist essenziell, damit das Team bereit ist, in diese wilde KI-Welt mitzukommen.
Breanna Lawlor: Absolut – denn das ist Neuland. Das ermüdet vielleicht, aber es ist so. Man kann unbekanntes Terrain nur dann betreten, wenn man einer Person als Guide vertraut. Genau das ist die Rolle von Marketing-Führungskräften. Sie sind Wegbereiter:innen. Klar, etwas Intuition, etwas Daten – aber letztlich basiert Vertrauen auf Erfahrung, und damit sollten Sie führen.
Das führt mich zu meiner nächsten Frage: Zu welchen Führungspersönlichkeiten sollten Marketer in dieser KI-Ära des ständigen Wandels werden? Eine spannende Frage – die Antwort betrifft auch andere Lebensbereiche. Es ist wichtig, eine starke eigene Perspektive zu haben, aber man sollte nicht starr daran festhalten.
Wenn neue Informationen kommen, darf man seine Meinung auch ändern. Es gibt das Sprichwort: Wer etwas zu fest hält, riskiert, dass es zerbricht. Genauso ist es für Marketing-Führungskräfte: Ihre Funktion ist so sichtbar, da braucht es Konsistenz – aber ohne Starrheit.
Eine klare Haltung ist wichtig. Wer aber an Überzeugungen extrem festhält, riskiert, dass sie zerbrechen. Ich habe festgestellt, dass Flexibilität und Demut Führungskräften sehr helfen. Diese Eigenschaften schaffen Vertrauen im Team, sodass man gemeinsam schneller vorankommt, statt allein langsam.
Für CMOs ist das keine Option – sie müssen wissen, wie sie Menschen überzeugen, ihnen folgen. Dazu braucht es einen Standpunkt, mit dem sich andere identifizieren, aber auch Offenheit für neues Wissen, um sich stets weiterzuentwickeln.
Becca Banyard: Zum Schluss noch ein Themenwechsel: Lass uns über die Show sprechen.
Auf welche Gäste oder Gespräche dürfen sich die Zuhörenden in den kommenden Wochen freuen?
Breanna Lawlor: Mein Ziel ist es, unterschiedliche Gäste aus verschiedenen Disziplinen und mit unterschiedlicher Erfahrung einzuladen. Gerade die Gespräche mit Gästen, die ursprünglich gar nicht aus dem Marketing kamen, sondern aus anderen Rollen, waren oft die spannendsten – weil sie einen einzigartigen Standpunkt und einen besonderen Erfahrungsschatz mitbringen. Wir wollen deren Sichtweise, Fehltritte und deren Auswirkungen herausarbeiten. Uns interessieren die Marketer:innen, die wirklich etwas anstoßen.
Und ja, vielleicht haben sie Führungsverantwortung – aber sie sind immer noch „Macher:innen“, die neue Ergebnisse erzielen wollen. Die Timelines sind kürzer, die Transparenz ist größer – wir suchen die Mutigen, die ihre Arbeit sichtbar machen und dann ehrlich davon berichten.
Becca Banyard: Das klingt super. Ich mag praktische Insights und die Lehren aus Erfahrungen. Es ist oft schwer, eigene Fehler zu teilen, doch daraus lernt man meist am meisten. Es gibt wirklich viel, worauf man sich freuen kann.
Breanna Lawlor: Ja, Fehler sind sehr wertvoll, oder? Erfolge sind toll, aber von Fehlern lernt man oft am meisten.
Manchmal ist es besser, aus Fehlern anderer zu lernen als sie selbst zu machen. Viele Führungskräfte, mit denen ich spreche, haben Peer Groups, in denen sie sich austauschen. Das ist daher auch das Ziel dieses Podcasts: Plattform und Netzwerk für Peer-to-Peer-Verbindungen und den kollegialen Austausch. So kann Know-How viel mehr Menschen bei ihren nächsten Schritten helfen.
Becca Banyard: Was hoffst du, verändert sich für Zuhörer:innen, wenn sie in den nächsten Monaten oder im nächsten Jahr regelmäßig dabei sind?
Breanna Lawlor: In dieser Zeit voller Informationen kann man schnell im Overload versinken. Ich wünsche mir daher, dass die Menschen durch die spezifischen Geschichten und Beispiele in den Folgen ein bis drei neue Ideen für andere Herangehensweisen bekommen – und dadurch zu besseren Ergebnissen gelangen.
Noch ein Gedanke: Im Moment stehen Marketer:innen unter enormem Druck – sie müssen liefern, KI navigieren und die Balance finden. Aber am Ende geht es im Marketing um Verbindung. Wenn Sie sich mit einer neuen Idee, einer Person oder einer Arbeitsweise verbunden fühlen und es bei Ihnen „Klick“ macht, ist das großartig.
Idealerweise brauchen Sie dafür nicht ein ganzes Jahr Podcast. Aber ich freue mich darauf, diese Erfahrungen aus den Gesprächen zu extrahieren und hier zu teilen.
Becca Banyard: Es gibt so viel, worauf wir uns freuen können. Breanna, ich freue mich riesig, diesen Podcast gemeinsam mit dir zu gestalten.
Es sind erst ein paar Wochen vergangen, aber es macht jetzt schon unglaublich Spaß, und ich bin glücklich, dass wir das gemeinsam machen. Damit übergebe ich an dich. Du bist jetzt offiziell die Gastgeberin der Show. Ich bin nicht mehr in dieser Rolle. Übernimm gerne das Mikrofon und beende die Folge.
Breanna Lawlor: Sehr gern.
Ich freue mich darauf, mit Ihnen – unseren Zuhörer:innen – in Kontakt zu treten. Ich hoffe, Sie nehmen wertvolle Erkenntnisse von unseren Gästen mit. Abonnieren Sie den Podcast, wo immer Sie ihn hören, denn es kommen Gespräche, die Sie nicht verpassen sollten. Danke, dass Sie dabei waren.

